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Selbstbauten von Volker Born

Die Seesocke

Die Seesocke oder Kajaksocke ist eine Art Sack, der fest am Boot befestigt ist und in dem der Fahrer sitzt. Sie dient dazu, möglichst wenig Wasser ins Boot zu lassen und so die Manöverierfähigkeit nach einer Kenterung zu erhalten. Die Befestigung erfolgt am Süllrand sowie im Fußbereich. Ein dichter Abschluß am Süll vorausgesetzt, läuft so idealerweise nur der Sitzraum voll. Naheliegenderweise sollte dieser also möglichst knapp dem Fahrer angepasst sein.

Weitere große Vorteile der Seesocken: sie halten den Dreck aus dem Boot, und im Winter wärmen sie (leider auch im Sommer).

Wer sein Kajak auf Großgewässer führen möchte, dem sei eine Seesocke empfohlen. Für Wildwasser und Kleinfluß halte ich Auftriebskörper für die bessere Lösung, mit denen zwar mehr Wasser ins Boot eindringen kann, dafür aber keine Verheddergefahr besteht. Und im Normalfall geht man ans Ufer, um das Boot auszuleeren, etwas, was auf weiter Wasserfläche nicht geht.

Das man das eingedrungene Wasser durch Herausziehen der Socke entfernen kann, während man selbst im Wasser schwimmt, ist ziemlicher Unsinn. Zum einen kann sie dann nicht fixiert sein, zum anderen hält der Unterdruck sie gut am Platz. Und wenn man das Ungetüm doch draußen hat, kommt beim Reinstopfen und Wiedereinsteigen alles wieder rein, was man vorher entfernt hat.

Den Socken so zu bauen, das er auch als Packsack für das zerlegte Kajak dienen kann, ist zwar verführerisch, hat aber große Nachteile. Einmal muß er deutlich größer werden als notwendig, dann hat er viel auszuhalten beim Transport und Löcher sollte eine Socke nicht haben. Hier sollte Sicherheit Vorrang haben.

Eigene Erfahrungen

Ich habe für meine an der Küste benutzten Boote Seesocken gebaut. Die Dinger sind sehr zu empfehlen. In den schlanken Kajaks benutze ich die Socken bei jeder Fahrt.
Die Socken sind so klein wie irgend möglich, d. h. wirkliche Massarbeit. In meine Socken laufen beim Rollen oder Fahren ohne Decke maximal so 30 - 40 Liter Wasser rein, wenn ich drinsitze. Durch schlagen mit den Beinen und Ankanten kann man vielleicht noch 5 - 10 Liter davon loswerden, dann kann man die Decke schließen und weiter fahren. Auch weiterfahren ohne Decke geht gut. Die Socke hält das Gewicht einigermassen in Schwerpunktnähe, so dass das Boot gut kontrollierbar bleibt. Es ist dann allerdings etwas buglastig getrimmt. Ich verzichte auf eine Lenzmöglichkeit der Socke, zahlreiche Versuche haben gezeigt, dass sie nicht erforderlich ist. Man sitzt also ggf. lange Zeit im Nassen. Die Seesocke ersetzt keine Kälteschutzkleidung!
Das Wasser wird zuverlässig aus dem Kajak gehalten. Nach einer halben Stunde Rollentraining ist ein halber bis ganzer Liter Wasser im Boot, der es durch die Abdichtung geschafft hat

Material und Bau


Ich habe dünnes, aber steifes PVC-beschichtetes Polyester für Boden und Seitenteile verwendet, das 'Dach' ist bei einigen aus Deckstoff, bei einer auch aus PVC. Den Deckstoff habe ich verwendet, um etwas Atmungsfähigkeit zu erhalten, was leider nur eingeschränkt funktioniert. Im Sommer kann es dann schon mal schwitzig werden. Sämtliche Verbindungen habe ich genäht. Die wenigen Nähte der Socke sind nicht gedichtet. Das Material des Bodens und des Fußteils sollte sehr steif sein, damit sich beim hinein- und herausrutschen keine Falten bilden. Von sehr dünnem Material rate ich wegen der Faltenbildung ab. Außerdem ist meist etwas Sand im Socken, den man hin- und herreibt.

Ich habe auch schon gesehen, dass die gesamte Socke aus etwa Deckstoff entsprechendem Gewebe gemacht war. Angenehmeres Klima, aber nicht so dicht und rauhere Oberfläche.

Boden und Seitenteile der Socke sind bei mir aus einem Stück, um weniger Nähte zu haben. Das Fußteil ist oben nach vorn geneigt und so der Fußstütze bzw. der Steuerung angepaßt. Hat das Boot eine Steuerung, muss die Socke natürlich so lang sein, das sie den maximalen Steuerausschlag mitmacht. An den Knien hat sie den größten Umfang, zum Sitz hin wird sie wieder knapp und sollte nur wenig größer als der Hintern sein. Von Vorteil ist es, wenn man passende Beckenstützen im Boot hat.

Sinnvoll ist es, das Gerüst aufzubauen und daraus alle Masse abzunehmen. Hier gilt: knapp, aber nicht zu knapp! Also lieber jeweils 2 – 3 cm Zugabe, denn sonst kann bei Spannung die Socke sich evtl. am Süll lösen. Der Boden sollte sehr glatt sein, damit die Beine und Füße gut herausgleiten, wenn man bei einer mißglückten Rolle sich irgendwie herauswinden will. Entsprechende Schuhe oder Socken tun ein übriges. Wenn sich so ein Ding um die Füße wickelt und man dann nicht aus dem Boot heraus kann, wird es sehr schnell sehr unangenehm. Eine falsch konstruierte Socke kann eine Todesfalle werden. Also: nach Fertigstellung ausgiebig testen! Und nicht allein!

Das Dach ist aus Decksmaterial. Im Süllrandbereich schließt sich ein Kamin ebenfalls aus Verdecksstoff an. Der Umfang ist 1 – 2 cm größer als der Außenumfang des Süllrandes. Der äußere Rand des Kamins ist zweimal nach außen umgelegt vernäht. Dieser Wulst verhindert zusammen mit dem Spannriemen ein Lösen der Socke. Bei den von mir verwendeten Holzsüllrändern funktioniert das sehr gut, bei dem flachen Süll nach Slanar wird man wohl einen Gummi in einen Kanal einnähen müssen und Konflikte mit der gleichartigen Spritzdeckenbefestigung erwarten. Den Süllrand also nicht zu schmal bauen.

Befestigung des Seesockens

Die Socke sollte im Boot in Fußnähe fixiert sein. Ich habe, sofern vorhanden, das Steuerjoch an der Socke befestigt. In sehr engen Booten reicht der Unterdruck zum Halten eigentlich aus, zur Sicherheit sollte sie trotzdem befestigt sein.
Die Socke ist bei mir an den Fußspitzen am Steuerjoch oder, wenn nicht vorhanden, an den Bordwänden und um den Süllrand herum befestigt. Um den Süll wird der genau passend gearbeitete Stoff umgeschlagen, darüber kommt ein sehr starker Flachgummi (Fahrradschlauch, gekürzt) oder mittlerweile ein Riemen aus Hautmaterial mit Spannvorrichtung. Letzteres trägt weniger auf und hält besser. Die Spannvorrichtung sollte klein, flach und seewasserfest sein. Entsprechendes führt wohl der Jachthandel, meine stammen von Edelstahlkaminen. Der Riemen darf keinen Reck haben und sich auch bei Feuchtigkeit nicht dehnen. Hautmaterial mit Polyestergewebe ist ideal.

Ich habe auch schon versucht, einen Gummi in einem Kanal zu führen wie bei Spritzdecken. Flachgummis waren nicht stark genug und Rundgummis tragen stark auf, so dass bei meinen Süllrändern die Spritzdecke nicht mehr hielt.
Die Kombination Steuer/Seesocke ist recht einfach. Die Steuerseile werden durch das Deck irgendwo am Heck geführt und laufen im Boot bis kurz vor den Steuerbock in Führungen, damit nix am Socken scheuert. Sie werden am Hauptspant gehalten, um den Fußraum nicht einzuengen. Der Abdichtung der Steuerseildurchführung kommt natürlich besondere Bedeutung zu. Da muss alles passen. Von Norman Langer ist der Tip, Gardenaschläuche 6 mm mit Reepschnur zu verwenden, das geht gut. Der Steuerbock ist auf dem Kiel befestigt, der Seesocken an den Spitzen der Pedale, die eine Öse haben. Kleine, an die Socke genähte Schlaufen greifen über die Öse. Der Karabiner der Steuerseile wird in die Öse gehakt und verhindert ein Abrutschen. Die Schlaufe ist so klein, dass sie nicht über den Karabiner gleiten kann. Dieses Prinzip erlaubt die recht fummelige Prozedur in der Sitzluke zu erledigen und dann erst den Steuerbock einzubauen. Ganz toll ist dann eine Luke direkt vor der Steuerung im Deck. Bei Kajaks ohne Steuer empfiehlt sich eine andere Lösung, bei der am Socken eine Leine angenäht wird. Diese läuft nach vorn zu einer Öse, wird darin nach hinten umgelenkt und endet in der Sitzluke, wo sie z. B. mit einem Karabiner in eine weitere Öse eingehakt wird.

Aktualisierung: 13/11/2017