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Atlyak

Ein Erfahrungsbericht von Jochen Dettke

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Fakten

L: 385 cm, B: 65 cm, G: ca. 13 kg, NP 2007: 1099 Euro, benannt nach einer Mischung aus Saphir (blau) und Zephir (Wind) = Sephire

Allgemein
Der AtlYak ist eine Konstruktion der gleichnamigen chinesischen Faltbootwerft. Von der Konstruktion ist er ein Best-Of der gängigen Einer auf dem Markt. Das Gestänge ist eng an den Fujita AL1-400 angelehnt, ebenso die Bootshaut. Spanten und Senten sind Alurohre, die über Kunststoffschnapper verbunden werden. Der Spannmechanismus ist vom Cooper abgeschaut, die Schenkelstützen vom FC Whisper. Kaufkriterium war für mich der moderate Preis bei geringem Gewicht. Das Boot ist sehr gut transportierbar. Gefahren habe ich es bisher auf dem Mittelmeer vor Kalabrien und auf dem Neckar (Rottenburg - Tübingen sowie Stuttgart - Remseck).

Freude
Der Atlyak ist mit 1100 Euro bezahlbar und mit (nicht selbst gewogenen) 13 kg gut tragbar. Er hat darüber hinaus ein paar wirklich starke Punkte:
  • Das Gestänge ist mit Gummischnüren versehen, die die Stangen wie beim Zelt zusammenschnappen lassen
  • Das Gestänge verfügt über richtig gute Schenkelstützen.
  • Die Haut hat ein geschicktes System zum Aufbau: die hintere Hälfte verfügt über einen Reißverschluss, so dass das Gestänge einfach in die Haut geschoben werden kann. Der Reißverschluss ist zudem gut abgedeckt, d.h. auf beiden Seiten stehen 10 cm Stoff über, der zusammengelegt, umgefalzt und dann mit Klettband befestigt wird. Hier läuft also kaum Wasser hinein.
Außerdem mitgeliefert: Fußstütze, die ich aber gar nicht verwendet habe, geht prima ohne, sowie Spritzschürze.
Die Haut ist unten aus PVC und hat auch einen Kielstreifen, außerdem innen Verstärkungen dort, wo die Senten sitzen. Allgemein macht das Boot einen wertigen Eindruck, also von den Materialien her.
Auf dem (ruhigen) Mittelmeer vor Tropea machte das Boot einen akzeptablen Eindruck. Gegen Wind und Wellen läuft es gut und macht richtig Spass, dank Schenkelstützen kann man sich gut verkeilen, wenn es mal ruppiger wird. Ich hatte auch das Glück, bei Schirocco-Wind den AtlAyk bei großen Wellen auszuprobieren. Die Wellen hatten mind. 1 m, teilweise vielleicht mehr, haben sich aber erst am Strand gebrochen. Auch hier lag das Boot hervorragend im Wasser, sehr stabil und kein bisschen kippelig.Schwieriger wurde es, wenn Wellen von schräg hinten kamen. Die haben den Kleinen immer wieder gedreht, immer wieder waren Ausgleichsschläge nötig.
Richtig schnell ist der AtlYak auch nicht, die Endgeschwindigkeit ist ziemlich schnell erreicht. Das finde ich schade, ist bei einem 3.8m Boot wohl aber einfach so. Auf dem recht kurvigen Neckar fühlt er sich deutlich eher zuhause, der Geradeauslauf ist okay. Meine Paddeltechnik hat sich mittlerweile auch etwas verbessert.
Beachten sollte man, dass die Schenkelstützen recht eng beieinander liegen. Ich komme gerade noch ins Boot rein (1,80m, 75kg), wer eine breitere Hüfte hat, kriegt hier sicher Probleme. Den Abstand kann man aber mit etwas handwerklichem Geschick selbst verbreitern.
Die Größe der Einstiegsluke ist aber noch okay. Mit der Methode "Bobbes na, Füße ins Boot nachziehen" kann man gut einsteigen.
Eine Tour auf dem Neckar oberhalb von Tübingen habe ich auch schon gemacht. Durch die vielen Wehre und Steinrutschen war hier häufiges Umtrage angesagt. Das ist mit dem Atlyak aber kein Problem, selbst mit Tagesgepäck wiegt er unter 20kg und kann so gut aus dem Wasser gehoben und notfalls auch ohne Probleme mehr als 100m alleine getragen werden.
Auch der Bahn- oder Flugtransport ist kein Problem, die Tasche ist mit den Maßen 80 x 40 durchaus noch handlich. Mit Omaporsche (=Einkaufstrolley) ist der Weg vom Bahnhof zur Einbootstelle kein Problem.
Als Sportgepäck kann man das der Fluggesellschaft aber nicht unbedingt verkaufen, die Dame von TuiFly meinte am Telefon, dass das mit diesen Maßen einfach als Übergepäck läuft (7 ¤ pro Kilo). Glücklicherweise wusste die Dame am Schalter davon nichts und hat mich mit der Ermahnung, das nächstes mal als Sportgepäck anzumelden, durchgelassen. Denn alles in allem (mit Paddel, Omaporsche, Schwimmweste, etc) hat das Päckchen dann halt 20kg.
Aktualisierung: 25/01/2018