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Wildwasserpionier der ersten Generation

Fakten

L:450 cm; B:65 cm; G:20kg; NP(1954): rd. 450 DM; benannt "Schegge" (nach dem Schiffsbauteil)

 

Allgemein

Dieses Boot ist ein Produkt der traditionsreichen Pionier-Werft aus Bad Tölz. Als Mitglied der 450er Familie zeigt dieser "W"-Typ am besten die direkte Abstammung von der "S"-Reihe. Fast alle Teile (außer Heck- und Bugsteven, sowie die Spanten 1 und 7) sind baugleich. An meinen Boot sind einige Teile sogar noch mit "450 S" beschriftet. Auch der Sitz ist unverändert aus dem "S" übernommen und lässt somit leider die später verwendeten, äusserst praktischen Beckenstützen vermissen. Das Boot stammt vermutlich aus dem Jahr 1953 und wurde wegen seiner - für Wildwasserverwendung unpraktischen - grossen Luke rasch von einem leicht veränderten Nachfolger mit kleinerer Wildwasserluke abgelöst. Dieser wurde m.W. nach zuerst ebenfalls 450W genannt, später dann aber nach weiteren Änderungen als 450Wa verkauft. An diesen Nachfolgern fallen - neben der Veränderung der Luke - vor allem die stärkere Firstung des Achterdecks mittels eines zentralen Deckstabes und das Vorhandensein von Tothölzern auf. Zuletzt gab es auch wohl auch noch einen Typ 450Wb, über den ist mir aber nichts bekannt. Besonderheiten des ersten "W" sind also die Wanderluke, die fehlenden Tothölzer, und die drei! achteren Deckstäbe.

Die Faszination der Pionierboote besteht für mich hauptsächlich in der Einfachheit und Funktionalität des Gerüstes und seiner Beschläge. Hinzu kommt die überragende Qualität der Holzkonservierung (vor dem Lackieren wurde das Holz mit heissem Öl, vermutlich aus Leinsamen, behandelt), die viele Bauteile auch nach Jahrzehnten noch fabelhaft aussehen lässt. Durch die verwendeten Diagonalstreben erreicht das Stabgerüst eine unglaubliche Stabilität. Von all meinen Faltern ist "Schegge" mein Lieblingsboot.


Freude

Dieses Boot ist wendig, richtig wendig. Das verlangt viel Aufmerksamkeit, sonst landet man schnell irgendwo. Mal locker das Paddel weglegen und treiben lassen ist nicht drin. Dieses Boot will (an)getrieben werden, oder es büxt aus. Mit Gepäck verschlimmert sich dieses Verhalten bei falschen Trimm noch stark. Das grössere Volumen im Bug hat mich bei der ersten Gepäckfahrt dazu verleitet, dorthin auch mehr zu stauen. Schwerer Fehler! Das Boot fing an zu bohren und ständig mit dem Heck wegzudrehen - unbeherrschbar. Wichtig ist daher eine sehr ausgewogene Gewichtsverteilung.

Wenn man sich aber erst einmal mit diesen Eigenheiten eingelassen hat, ist es die pure Freude. Gerade wenn es etwas schneller fliesst, sprudelt, schäumt, kommt der 450W so richtig zum Zug. Fast scheint es so, als ´wisse` das Boot, wo es am besten im Stromzug entlang geht. Mancher Schwall, der geübtere Mitpaddler spektakulär scheitern liess, spuckte mich dank des Pioniers trotz meiner erheblichen paddlerischen Defizite im Wildwasserbereich zwar gründlich durchgespült, aber  kielunten wieder aus. Was will man mehr...


Ärger

Dieses Boot ist auf Zahmwasser lahm. Jeder stärkere Windhauch spielt Karussell mit ihm, in Wellen sind eigentlich nur Halb- und Gegenwindkurs möglich.


Basteln

Ich habe lediglich die alten, zölligen Stehbolzen und Muttern gegen metrische Gegenstücke ausgetauscht. Dazu musste ich auch die Kopfbeschläge der Cockpitspanten aus einem Messingwinkel ´nachempfinden`. Nach einigen Holzarbeiten bekam das Gerüst 2002 eine neue Haut von Markus Heise verpasst. Dieser sorgte auch dafür, dass Bug und Heck jetzt wieder das typische gelbe "W" auf den Spitzen tragen.

Aktualisierung: 11/06/2017
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